Was die Lastklasse angibt
Die Lastklasse beschreibt die zulässige Nutzlast auf dem Gerüstbelag – beim Fassadengerüst genauso wie beim Dach- oder Innengerüst. Gemeint ist die Last pro Quadratmeter, gleichmässig verteilt: Personen, Werkzeug und Material zusammen.
Die Norm SN EN 12811-1 teilt Arbeitsgerüste in sechs Lastklassen ein. Zusätzlich definiert sie Punktlasten auf kleiner Fläche. Für die Planung auf der Baustelle zählt vor allem die Flächenlast.
| Klasse | Nutzlast | pro m² | Typische Arbeiten |
|---|---|---|---|
| Lastklasse 1 | 0.75 kN/m² | · ≈ 75 kg/m² | Inspektion und Kontrolle, ohne Material auf dem Belag |
| Lastklasse 2 | 1.50 kN/m² | · ≈ 150 kg/m² | Malen, Reinigen, Fugen – ohne Materiallagerung |
| Lastklasse 3 | 2.00 kN/m² | · ≈ 200 kg/m² | Maler, Gipser, Verputz – leichtes Material auf dem Belag |
| Lastklasse 4 | 3.00 kN/m² | · ≈ 300 kg/m² | Maurer-, Dämm- und Betonarbeiten mit Materiallagerung |
| Lastklasse 5 | 4.50 kN/m² | · ≈ 450 kg/m² | Mauerwerk und Natursteinarbeiten mit Materiallager |
| Lastklasse 6 | 6.00 kN/m² | · ≈ 600 kg/m² | Schwere Maurerarbeiten, Lagerung von Steinblöcken |
Richtwerte nach SN EN 12811-1. 1 kN/m² entspricht rund 100 kg pro m². Lastklasse 6 kommt vor allem bei Industrie- und Spezialgerüsten vor. Die typischen Arbeiten sind Anhaltspunkte, massgebend ist die Absprache mit dem Gerüstbauer.
So viel trägt ein Gerüstfeld – ein Rechenbeispiel
Ein typisches Gerüstfeld ist 3 m lang und 0.70 m breit. Das ergibt 2.1 m² Belag.
In Lastklasse 3 trägt dieses Feld rund 420 kg, verteilt über die ganze Fläche. Zwei Maler mit Werkzeug und Farbkübeln liegen deutlich darunter. Eine Palette Backsteine liegt klar darüber.
Wichtig ist die Verteilung. Schweres Material gehört nicht auf einen Punkt, sondern verteilt auf den Belag – oder auf ein Gerüst mit höherer Klasse.
Breitenklassen: wie breit der Belag ist
Neben der Last regelt die Norm auch die Breite. Die Breitenklasse gibt an, wie viel Platz auf dem Belag zur Verfügung steht.
| Klasse | Belagsbreite | Einsatz |
|---|---|---|
| W06 | 0.60 bis unter 0.90 m | Gängiges Fassadengerüst für Maler, Gipser und Spengler |
| W09 | 0.90 bis unter 1.20 m | Maurer und Arbeiten mit Material neben dem Laufweg |
| W12 | 1.20 bis unter 1.50 m | Natursteinarbeiten und schwere Bauteile |
| W15–W24 | ab 1.50 m | Sonderfälle wie Industrie oder Arbeitsplattformen |
Last und Breite gehören zusammen. Wer Material auf dem Gerüst lagert, braucht oft beides: mehr Tragkraft und mehr Platz, damit man sicher daran vorbeikommt.
Welche Lastklasse für welche Arbeit in Bern?
Die Arbeit bestimmt die Klasse – nicht die Grösse des Gebäudes. Vier typische Fälle aus der Region:
Fassade streichen in Köniz oder Muri: Lastklasse 2–3
Für Anstrich und Reinigung reicht Lastklasse 2. Klasse 3 lohnt sich, wenn nach dem Maler noch der Gipser aufs Gerüst geht. Dann muss das Gerüst nicht umgebaut werden.
Fassadendämmung: Lastklasse 4–5
Dämmplatten, Kleber und Mörtelsäcke liegen oft tagelang auf dem Belag. Für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) wird das Gerüst deshalb meist auf Lastklasse 4–5 ausgelegt. Für reinen Verputz ohne grosses Materiallager reicht Klasse 3.
Sandstein in der Altstadt: Lastklasse 4–5
An Berner Sandsteinfassaden ersetzen Steinhauer oft ganze Werkstücke. Diese Blöcke sind schwer und brauchen Platz auf dem Belag. Dafür braucht es Klasse 4 oder 5 und meist einen breiteren Belag. Mehr zu den Bedingungen vor Ort lesen Sie unter Gerüstbau in der Berner Altstadt.
Dach und Solar: Fangschutz plus Lagerfläche
Beim Dachgerüst steht der Fangschutz im Vordergrund. Werden Ziegel oder Solarmodule auf dem Gerüst zwischengelagert, muss die Lastklasse dazu passen. Das klären wir vor der Offerte.
Warum eine höhere Lastklasse mehr kostet
Mehr Tragkraft erreicht ein Systemgerüst vor allem über kürzere Felder und stärkere Beläge. Statt 3 m langer Felder werden zum Beispiel 2 m oder 2.5 m lange verbaut.
Das bedeutet mehr Rahmen, mehr Beläge und oft mehr Verankerungen. Material und Montagezeit steigen – und damit der Preis pro m². Richtwerte nach Gerüsttyp finden Sie bei den Gerüst-Preisen.
Deshalb lohnt es sich, die geplanten Arbeiten bei der Anfrage genau zu nennen. So bekommen Sie die Klasse, die Ihr Projekt braucht – ohne teure Reserve.
Woran Sie die Lastklasse auf der Baustelle erkennen
Die Lastklasse steht in der Regel auf dem Freigabedokument oder der Kennzeichnung am Aufstieg. Dort sind auch Breitenklasse, Datum und Gerüstbauer vermerkt.
Ändert sich die Arbeit, ändert sich unter Umständen die Klasse. Kommt nach dem Maler der Maurer, fragen Sie beim Gerüstbauer nach. Umbauten am Gerüst sind laut SUVA allein Sache des Erstellers. Mehr dazu im Ratgeber zu den SUVA-Vorschriften im Gerüstbau.
So bekommen Sie in Bern das passende Gerüst
Nennen Sie in der Anfrage, welche Arbeiten auf dem Gerüst geplant sind und welches Material dort liegt. Daraus leitet Gerüstbau Bern Lastklasse, Breite und Feldlängen ab.
Die Offerte liegt innert 48 Stunden vor. Beim Einfamilienhaus dauert die Montage einen Tag. Nach dem Aufbau erhalten Sie das Freigabedokument mit der Lastklasse. Alle Varianten für Sanierung und Anstrich finden Sie bei den Fassadengerüsten in Bern.
Häufige Fragen zu Lastklassen
Welche Lastklasse hat ein normales Fassadengerüst?
Viele Fassadengerüste für Sanierungen werden in Lastklasse 3 gestellt. Sie tragen 200 kg pro m² und reichen für Maler- und Gipserarbeiten. Für Dämmung mit Materiallager braucht es meist Klasse 4–5.
Was bedeutet Lastklasse 3 in Kilogramm?
Lastklasse 3 steht für 2.0 kN/m². Das sind rund 200 kg pro Quadratmeter Belag, gleichmässig verteilt.
Darf ich auf einem Gerüst Material lagern?
Ja, wenn die Lastklasse dafür ausgelegt ist und das Material verteilt steht. Auf Lastklasse 1 und 2 ist Materiallagerung nicht vorgesehen. Für Mauerwerk oder Naturstein braucht es Klasse 4 bis 6.